Die Ungleichwertigkeit des Berliner ÖPNV

Die Angebote von Berlins ÖPNV sind nicht in allen Bezirken Berlins gleichwertig. Das ergab eine meiner Anfragen an den Senat zur Umsetzung des Berliner Mobilitätsgesetzes (PDF Anfrage). Der Senat verweist in seiner Antwort vermehrt auf den aktuellen Nahverkehrsplan (NVP) für die Jahre 2019-2023, welcher die Planungen für den ÖPNV skizziert (Link zum Nahverkehrsplan). Der NVP kritisiert, dass eindeutige „Unterschiede zwischen Innerer und Äußerer Stadt (…) in der Angebotsdichte zu verzeichnen“ (S.52) sind. Demnach existieren in einigen „Teilbereichen der Bezirke Reinickendorf, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf noch Lücken hinsichtlich eines attraktiven Angebots im Tagesverkehr“ (S.52).

Der NVP benennt gleichzeitig einige Maßnahmen, wie die Ungleichwertigkeit des ÖPNV in den verschiedenen Berliner Bezirken behoben werden soll. Er sieht beispielsweise vor, dass mit der Eröffnung des Flughafens BER die S-Bahn-Linien S9 und S45 bis zum Flughafen BER verlängert werden sollen, um so den Flughafen im 10-Minuten-Takt zu erreichen (S.297). Außerdem sollen zahlreiche S-Bahnen altersbedingt durch neue, längere Fahrzeuge ersetzt werden, die z.B. auf der Strecke der Ringbahn S41 und S42 verkehren sollen (S.298).

Für den Kreis Marzahn-Hellersdorf gibt es auch einige Planungen zur Verbesserung der Mobilitätsangebote. Die U-Bahn-Linie 5 soll beispielsweise nach Fertigstellung der Bauarbeiten während der Hauptverkehrszeit in einem 3,3-Minuten-Takt zwischen Kaulsdorf-Nord und dem Hauptbahnhof pendeln (S.305). Die Buslinie 197 von Falkenberg bis nach Kaulsdorf soll im 10-Minuten-Takt fahren (S.325). Laut Aussage des Senats ist zudem eine Verlängerung der Buslinie 294 bis ins Gewerbegebiet Marzahn geplant. Derzeitig verkehrt die Linie noch zwischen Marzahner Str. und Falkenberg. Zudem wird gemäß dem NVP geprüft, ob eine neue Buslinie M95 eingesetzt werden soll, die Mahlsdorf, Hellersdorf, die Gärten der Welt und Marzahn miteinander verbindet (S.324). Aller Voraussicht nach ist eine Ausweitung des Angebots des BerlKönig bis in die weiten Randbezirke leider unwahrscheinlich. Stattdessen zieht der Nahverkehrsplan einen Rufbus in Betracht, der bedarfsgesteuert schlecht angebundene Gebiete erschließt (S.355). Dies betrifft unter anderem über 3.000 Einwohnerinnen und Einwohner in Mahlsdorf-Süd, die an der Stadtgrenze und in der Nähe der Kaulsdorfer Seen wohnen, und derzeitig nicht adäquat an den ÖPNV angeschlossen sind (S.360).

Einen aktuellen Monitoringbericht zur Umsetzung der Planungen des NVP gibt es leider nicht. Klar ist jedoch, dass die Bauarbeiten zur Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 mindestens bis Ende 2020 andauern werden. Vorher wird es keine Verdichtung des Taktes geben. Auch was die Beschaffung der zusätzlichen S- und U-Bahnen angeht, gibt es Probleme. Wie bereits erwähnt (Link zu vorherigem Beitrag) ist die Bestellung der zusätzlichen Wagen momentan ins Stocken gekommen ist, sodass sich die Bereitstellung der zusätzlichen Wagen voraussichtlich verzögern wird. Einige Verbindungen werden lediglich „geprüft“ und „in Betracht gezogen“. Ob die neuen Buslinien eingerichtet werden, bleibt fraglich. Darum wird es Zeit, dass der Senat handelt und die Vorgaben des Mobilitätsgesetzes schnellstmöglich umsetzt, um bereits jetzt für ein gleichwertiges Angebot in allen Berliner Bezirken zu sorgen.