Serie: Was Berlin von New York lernen kann: Drehkreuze in der Metro

metroDer Kaulsdorfer Abgeordnete Sven Kohlmeier hat im Sommer vier Wochen an einem Sprachkurs an der Columbia-Universtität teilgenommen. Über seine Eindrucke aus New York und was Berlin von New York lernen kann, berichtet Sven Kohlmeier seit Montag dieser Woche. An jedem Tag mit einem neuen Thema.

Mittwoch: Drehkreuze verhindern Schwarzfahren und ersparen Kontrollen

Es ist stickig auf den U-Bahnhöfen. Stahlträger bilden die Stationen. Es rattert, wenn ein Zug einfährt, die Menschen sind in Eile. Irgendwo spielt ein Keyboarder perfekt Frank Sinatras „New York, New York“.

Um auf den U-Bahnsteig zu kommen, muss ein Drehkreuz passiert werden. Die Metrokarte wird aufgeladen und durch ein Lesegerät am Drehkreuz gezogen. Als Tourist ist es sinnvoll, sich das Prozedere vorher anzuschauen. In der Rush Hour wartet der New Yorker nicht gerne auf Touristen an den Drehkreuzen. 2,75 $ – etwas über 2,50 Euro  kostet eine Fahrt. Dafür kann man durch das gesamte Netz fahren – alles kein Problem, solange man die Station nicht durch das Exit-Drehkreuz verläßt. Ich nutze die Möglichkeit, mit der U-Bahn über die Manhattan-Bridge zu fahren und wieder zurück. Äußerst praktisch – wir Berliner kennen ja nur das One-Way-Ticket pro Fahrt.

Die Drehkreuze verhindern das Schwarzfahren, auch deshalb gibt es keine Kontrollen und man erspart sich Kontroversen darüber. Über die Einführung von Drehkreuzen wird in Berlin immer wieder diskutiert. Es gibt für beide Seiten gute Argumente – ich persönlich habe sowohl in New York wie auch in Paris mit Drehkreuzen gute Erfahrung gemacht. Die Mitarbeiter könnten anstelle Schwarzfahrer zu kontrollieren für die Sicherheit auf den Bahnsteigen und in den U-Bahnen eingesetzt werden. 

In New York sitzt an jedem U-Bahnhof mindestens eine Person und verkauft Metrokarten. Ganz allein ohne Personal fühle ich mich nicht; aber wirklich sicher fühlt man sich auf dem U-Bahnsteig auch nicht – da nehmen sich New York und Berlin nicht viel.

Während es auf den Bahnhöfen heiß und stickig ist, sind die U-Bahnen angenehm klimatisiert. Bei den silberfarbenen Zügen denke ich unweigerlich an „Stirb langsam“. Die Bahn ist laut, es ruckelt, in die Bahnhöfe wird schnell eingefahren und quietschend gebremst, die Durchsagen sind meistens nur schwer verständlich, die Tunnel dunkel. Fehlt nur noch Bruce Willis, der auf einmal verschwitzt aus der Wagenzwischentür springt.

Ich werde aus meinem Tagtraum gerissen. Zwei schwarze Jungs rappen – wirklich gut – in der U-Bahn-Linie 1. Ein andermal spielt ein junger Mann– auch sehr gut – Gitarre und unterhält charmant das Abteil. Obwohl das Musizieren verboten ist, erfreut die Musik und das gesamte U-Bahn-Abteil applaudiert, als die Show zu Ende ist. Da ist es wieder, das herzliche New York. Musik aus der Konserve aus schlecht klingenden Boxen und noch schlechteren Blockflöten wie in Berlin? Nein, der New Yorker verkauft sich und unterhält sein Publikum.

Netzabdeckung und Internetverbindung zählen aber nicht zu den Qualitätsmerkmalen der New Yorker U-Bahn.. Da ist die Netzabdeckung der BVG auf einem besseren Stand. Sie braucht sich nach meiner Erfahrung vor New York nicht verstecken. Die U-Bahnzüge sind meistens leise, die Stationen angenehm durchlüftet und – meistens – ansprechend und hell gestaltet.

Dieser Beitrag erschien auch im Berliner Kurier.

Foto: Sven Kohlmeier in der New Yorker Metro.